Hosting DE: Hetzner vs AWS vs Vercel
Wo sollten DACH-Unternehmen ihre SaaS-Anwendung hosten? Ein technischer und rechtlicher Vergleich der wichtigsten Optionen.
Warum der Hosting-Standort wichtig ist
Für Unternehmen im DACH-Raum ist die Wahl des Hosting-Anbieters mehr als eine technische Entscheidung. Seit Schrems II und der verschärften DSGVO-Durchsetzung stellen Datenschutzbehörden klare Anforderungen: personenbezogene Daten europäischer Bürger dürfen nicht ohne Weiteres in die USA übertragen werden.
Das betrifft nicht nur Ihre Datenbank, sondern auch CDN-Knoten, Log-Dateien, Error-Tracking und sogar Build-Systeme.
DSGVO
Rechtliche Grundlage
Seit 2018, verschärft durch Schrems II
€20 Mio.
Max. Bußgeld
Oder 4% des Jahresumsatzes
72h
Meldepflicht
Bei Datenpannen an die Aufsichtsbehörde
Die Kandidaten
Hetzner (Deutschland)
Hetzner ist ein deutscher Hoster mit Rechenzentren in Falkenstein, Nürnberg und Helsinki. Bekannt für das beste Preis-Leistungs-Verhältnis in Europa.
Produkte:
- Dedicated Server ab €39/Monat
- Cloud Server (CX-Serie) ab €3,29/Monat
- Managed Kubernetes (noch nicht verfügbar, aber Docker-Hosting möglich)
- Object Storage (S3-kompatibel) ab €0,005/GB
Stärken:
- Unschlagbare Preise bei Dedicated und Cloud
- Rechenzentren in Deutschland (Falkenstein, Nürnberg)
- Volle DSGVO-Konformität, deutsches Unternehmen
- Exzellente Netzwerkanbindung (1+ Gbit/s inklusive)
- Kein Vendor Lock-in (Standard Linux, Docker, Kubernetes)
Schwächen:
- Kein Managed Kubernetes (Stand 2026)
- Weniger Managed Services als AWS
- Kein globales CDN
- Support nur per Ticket, kein Enterprise-SLA
- Keine integrierte CI/CD-Plattform
AWS eu-central (Frankfurt)
Amazon Web Services betreibt eine Region in Frankfurt (eu-central-1). Größte Cloud-Plattform weltweit mit über 200 Services.
Produkte:
- EC2 (VMs), ECS/EKS (Container), Lambda (Serverless)
- RDS (Managed Databases), S3 (Object Storage)
- CloudFront (CDN), Route 53 (DNS)
- Vollständiges DevOps-Ökosystem
Stärken:
- Umfassendste Service-Palette (200+ Dienste)
- Enterprise-Grade SLAs und Support
- Auto-Scaling, Serverless, Managed Everything
- Globale Infrastruktur wenn nötig
- Frankfurt-Region für DSGVO-Konformität
Schwächen:
- Komplex und teuer, besonders für kleine Teams
- Kosten schwer vorhersehbar (Pay-per-Use)
- US-Unternehmen (CLOUD Act: US-Behörden können Datenzugriff erzwingen)
- Vendor Lock-in bei AWS-spezifischen Services (Lambda, DynamoDB)
- Overengineering-Gefahr bei kleinen Projekten
Vercel (Edge/Global)
Vercel ist spezialisiert auf Frontend-Hosting und Serverless Functions. Bekannt als die Firma hinter Next.js.
Produkte:
- Edge Network (automatisches CDN)
- Serverless Functions (Node.js, Python, Go)
- Preview Deployments (pro Git-Branch)
- Edge Middleware, Image Optimization
Stärken:
- Beste Developer Experience für Frontend-Projekte
- Automatische Preview Deployments pro Pull Request
- Globales Edge Network (schnellste TTFB)
- Zero-Config für Next.js, Nuxt, Vite
- Generous Free Tier
Schwächen:
- Kein Datenbank-Hosting (braucht externe DB)
- Serverless-Limits (Timeout, Cold Starts)
- US-Unternehmen, Daten auf Edge-Knoten weltweit verteilt
- DSGVO-Konformität nur mit zusätzlicher Konfiguration
- Teuer bei hohem Traffic (Bandwidth-Kosten)
- Vendor Lock-in bei Vercel-spezifischen Features
Der Vergleich
| Kriterium | Hetzner | AWS Frankfurt | Vercel |
|---|---|---|---|
| Standort | Deutschland | Frankfurt (US-Firma) | Global (US-Firma) |
| DSGVO | Volle Konformität | Konform mit DPA | Eingeschränkt |
| CLOUD Act | Nicht betroffen | Betroffen | Betroffen |
| Preis (vergleichbar) | €20-€50/Mo | €80-€200/Mo | €20-€150/Mo |
| Managed Services | Wenige | Sehr viele | Frontend-fokussiert |
| Skalierung | Manuell/Docker | Auto-Scaling | Auto (Edge) |
| Vendor Lock-in | Keins | Mittel-Hoch | Mittel |
| Support | Ticket | Enterprise möglich | Business Plan |
Monatliche Kosten (vergleichbare Konfiguration)
Wann welchen Anbieter?
Hetzner
Ideal wenn
- Budget-bewusste Startups und KMUs
- Maximale DSGVO-Konformität erforderlich
- Team hat DevOps-Kompetenz (Docker, Linux)
- Dedizierte Server für rechenintensive Workloads
Nicht ideal wenn
- Kein Managed Kubernetes
- Kein globales CDN inklusive
- Wenig Managed Services
AWS Frankfurt
Ideal wenn
- Enterprise mit komplexen Anforderungen
- Auto-Scaling und Serverless benötigt
- Globale Expansion geplant
- Budget für Cloud-Expertise vorhanden
Nicht ideal wenn
- CLOUD Act ist ein Risiko für Ihr Geschäft
- Kleine Teams ohne Cloud-Erfahrung
- Kosten müssen vorhersehbar sein
Vercel
Ideal wenn
- Reines Frontend/Jamstack-Projekt
- Next.js oder Nuxt im Einsatz
- Schnelle Iteration mit Preview Deployments
- Globale Performance wichtig
Nicht ideal wenn
- Backend/Datenbank-Hosting benötigt
- Strenge DSGVO-Anforderungen
- Hoher Traffic (Bandwidth-Kosten)
Die hybride Lösung
In der Praxis nutzen viele DACH-Unternehmen eine Kombination:
- Frontend auf Vercel (schnellste Auslieferung, Preview Deployments)
- Backend + Datenbank auf Hetzner (DSGVO, Kosten)
- AWS nur für spezifische Services (z.B. S3 für Uploads, SES für E-Mail)
Empfohlene Architektur für DACH-SaaS
Frontend
Vercel oder Hetzner mit CDN (Cloudflare)
Next.js/Vite, Edge-Caching, Preview Deployments
API + Backend
Hetzner Cloud oder Dedicated Server
NestJS/Express, Docker, PostgreSQL
Datenbank
Hetzner oder AWS RDS (Frankfurt)
PostgreSQL, tägliche Backups, Verschlüsselung
E-Mail + Storage
AWS SES (Frankfurt) + S3 oder Hetzner Object Storage
Transaktionale E-Mails, File Uploads
CLOUD Act: Das unterschätzte Risiko
Der US CLOUD Act (2018) erlaubt US-Behörden, von US-Unternehmen die Herausgabe von Daten zu verlangen, auch wenn diese physisch in der EU gespeichert sind. Das betrifft AWS, Google Cloud, Azure, Vercel und alle anderen US-Anbieter.
Für die meisten Unternehmen ist das ein theoretisches Risiko. Aber in bestimmten Branchen (Gesundheit, Finanzen, öffentlicher Sektor) kann es ein Ausschlusskriterium sein.
Alternativen bei hohen Datenschutzanforderungen:
- Hetzner (DE)
- IONOS (DE)
- Open Telekom Cloud (DE)
- Exoscale (CH)
- Infomaniak (CH)
Fazit
Es gibt keinen "besten" Hoster. Die richtige Wahl hängt von Ihrem Projekt, Budget und Datenschutzanforderungen ab.
- Hetzner wenn Kosten und DSGVO Priorität haben
- AWS Frankfurt wenn Enterprise-Features und Skalierung gebraucht werden
- Vercel wenn Developer Experience und Frontend-Performance zählen
Für die meisten SaaS-Startups im DACH-Raum ist Hetzner + Cloudflare CDN der beste Einstieg. Sie können später immer noch zu AWS migrieren wenn die Anforderungen wachsen.
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